Malariamittel zur Prophylaxe
Vorsorgebehandlung (Chemoprophylaxe)
Geht die Reise in ein Malariagebiet, so rät sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG) Malariamittel zur Vorsorge einzunehmen und zusätzlich Notfallmedikamente mit auf die Reise zu nehmen. Welche Malariamittel/-medikamente zu empfehlen sind, entscheidet die Resistenz der Parasiten. Durch die jahrelange Behandlung mit Malariamedikamenten existieren inzwischen Parasiten, die gegen die üblichen Malariamittel resistent sind. In diesem Fall müssen alternative Medikamente verwendet werden. Die weltweit bestehenden Malariaregionen werden nach Risiko in 3 Klassen unterteilt: Regionen mit keinem, einem geringen oder einem hohen Risiko der Infektion. Entsprechend des Risikos ergeben sich unterschiedliche Empfehlungen für Malariamittel, wobei innerhalb jedes Gebietes wiederum unterschiedliche Risiken herrschen.
Sieben-Tage-Regel: Handelt es sich um einen Kurzaufenthalt unter sieben Tagen, wird in Ländern wie Brasilien oder Indonesien an Stelle einer Prophylaxe die Mitfuhr eines Notfallmedikaments geraten (Stand-by-Therapie).
Medikamentösen Malariaprophylaxe: Die vorbeugende Einnahme eines Malariamittels ist, vor allem in Hinblick auf die Nebenwirkungen, mit einem erfahrenen Arzt abzustimmen. Vorbeugende Malariamedikamente sind ohnehin nur mit enem Rezept vom Arzt erhältlich.
Medikamentöse Malariamittel
Chloroquin (zum Beispiel in Resochin)
Chloroquin weist relativ geringe Nebenwirkungen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schlafstörungen. Bei jahrelanger Einnahme sehr selten Augenschäden mit Netzhautveränderungen auftreten. Wird Chloroquin dauerhaft eingenommen sollten vorsorglich augenärztliche Kontrollen durchgeführt werden. In der Schwangerschaft und für Kleinkinder ist Chloroquin unbedenklich. Chloroquin wird sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie in denen Malaria-Regionen eingesetzt, in denen Resistenzen noch nicht aufgetreten sind.
Proguanil (zum Beispiel in Paludrine oder in (Malarone)
Das Malariamittel Proguanil wird nur als Kombinationsmittel eingesetzt. Nebenwirkungen sind selten, wozu Übelkeit, Durchfall, Schwindel und Mundulzerationen gehören. Während der Schwangerschaft und bei Kleinkindern darf Proguanil bedenkenlos eingestzt werden. Proguanil wird sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie eingesetzt.
Mefloquin (Lariam)
Mefloquin wird in den meisten Fällen gut und ohne Komplikationen vertragen. Trotzdem rät die DTG bei der erstmaligen Einnahme, zwecks Überprüfung der Verträglichkeit 3-4 Wochen vor der Abreise damit zu beginnen. Besteht eine Verträglichkeit des Mittels gilt dies auch für die Zukunft. Bei einer Unverträglichkeite gilt das Selbe. Häufigste Nebenwirkung ist die psycho-vegetative Veränderung, weshalb Personen mit einer psycho-vegetativen Vorerkrankung Alternativmedikamente verwenden sollten. Nur selten, vor allem bei der empfohlen Prophylaxedosierung, gehören zu den psycho-vegetativen Veränderungen epileptische Anfälle, psychotische Störungen oder Schwindel mit Koordinationsstörungen. Sie sind dosisabhängig und treten bei der nur selten auf. Bei Reisetätigkeiten, die eine besondere Aufmerksamkeit, Orientierung oder Feinmotorik voraussetzen (Flugzeugfliegen, tieferes Tauchen) ist von Mefloquin abzuraten. Mefloquin wird in Regionen mit hohem Infektionsrisiko durch Erreger der Malaria tropica eingesetzt. Es kann zur Prophylaxe und zur Notfallbehandlung genommen werden. Alternative kann die Kombination von Atovaquon/Proguanil eingestzt werden (Malarone ).
Atovaquon/Proguanil (Malarone)
Nach den klinischen Prüfungen ist die Kombination Atovaquon/Proguanil gut verträglich und Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen treten nur selten auf. Aufgrund fehlender Langzeitstudien, wird die Prophylaxe mit Atovaquon/Proguanil vorwiegend bei Unverträglichkeiten von Mefloquin verwendet. Das Mittel darf maximal 28 Tage eingenommen werden und Kinder unter 11 kg Körpergewicht dürfen das Prophylaxe-Präparat nicht einnehmen. Atovaquon/Proguanil-Kombinationen werden zur Prophylaxe und zur Therapie eingesetzt, insbesondere bei Unverträglichkeiten gegenüber Mefloquin. Ebenso wird diese Kombination in einigen Malariaregionen eingesetzt, in denen Mefloquinresistenzen bekannt sind.
Artemether/Lumefantrin (Riamet)
Riamet ist zur Therapie und im Notfall zur Selbstbehandlung geeignet. Eventuelle Nebenwirkungen sind Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel. Bei Herzerkrankungen darf Riamet nicht gegeben werden. Die Artemether/Lumefantrin-Kombination wird nur zur Therapie eingesetzt.
Doxycyclin
Doxycyclin ist zur Prophylaxe der Malaria tropica in Gebieten mit Multiresistenzen geeignet und wird von der WHO für einige Regionen alternativ empfohlen. In Deutschland ist Doxycyclin für diese Indikation nicht zugelassen, wird aber von der DTG als Pophylaxe alternativ zu Lariam oder Malarone empfohlen, da die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikamentes gut belegt ist. Als Nebenwirkungen tritt am häufigsten eine Photosensibilität auf, so dass direkte Sonnenbestrahlung vermieden werden sollte. Doxycyclin darf nicht in der Schwangerschaft und bei Kindern unter dem 8. Lebensjahr verabreicht werden. Doxycyclin wird nur zur Prophylaxe in bestimmten Regionen eingesetzt. Aufgrund der fehlenden Zulassung als Malariaprophylaxe in Deutschland ist die Produkthaftung des Herstellers ausgeschlossen.
Chinin
Chinin wird in Kombination mit anderen Mittel zur Behandlung eingesetzt, zur Prophylaxe und Notfalltherapie wird es nicht empfohlen.
Sulfadoxin-Pyrimethamin (Fansidar)
Fansidar wird zum Teil in Afrika noch zur Prophylaxe angewendet, von Tropenmedizinern aber nicht mehr empfohlen. In Deutschland besteht für diese Kombination keine Zulassung und ist nicht in der Apotheke erhältlich.
Nicht medikamentöse Malariamittel
Neben der medikamentösen Malaria-Prophylaxe sollte vor allem auf den Schutz vor Mückenstichen geachtet werden, denn ohne Stich gibt es kein Malaria. Deshalb sollte die passive Vorsorge Priorität vor der medikamentösen Vorsorge haben. Zu einer solchen Vorsorge gehört das Tragen von Kleidung, die den Körper bedeckt (abends), der Einsatz eines Moskitonetzes (besonders bei Kindern) und insektenabweisende Mittel (Repellentien). Nachweislich wirksam und deshalb auch von der WHO empfohlen ist Autan.